Verfasst von: nk | März 27, 2010

Katholische Kirche in den Mainstream-Medien – eine aktuelle Herausforderung

Ein Gastkommentar von Barbara Wenz

Seit über zwei Monaten schon stehen zahllose deutsche Katholiken erschüttert und beschämt vor dem befleckten Gewand, in dem ihre Kirche sich präsentiert, vor dem furchtbaren Leid der durch katholische Priester und Erzieher geschändeten Opfer. In den Schock und die Trauer hinein mischte sich bei vielen allerdings auch zunehmende Fassungslosigkeit über die Berichterstattung in den Medien.

Was als Aufklärung und Aufdeckung begonnen hatte, geriet zu einem wahren antikirchlichen Furor. Da wurde der Zölibat an den Pranger gestellt, in den Schmutz gezogen und als allein verantwortlich ausgemacht, gerade so, als ob Pädokriminelle nur heiraten müssten, um auf ewig von ihren Gelüsten frei zu sein. Die anfänglich absolute Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass das Problem als gesamtgesellschaftliches Problem beachtet werden müsse mitsamt der Ausblendung sämtlicher kriminologischer Erhebungen und Expertenmeinungen dazu, war umso erstaunlicher, als sie besonders bei säkularen, angeblich kritisch-hinterfragenden “Qualitätsmedien” in ihrer gröbsten Form zu Tage trat. Faktenlagen und Statistiken, Aussagen von Ärzten, Kriminologen, Psychiatern wurde mit dem Verweis auf eine dumpfe, unterdrückerische Sexualmoral, wie sie angeblich von der Kirche vertreten werde, und deren deutlichster Ausdruck der Zölibat sei, abgeschmettert. Befremdlich für ein Land, das für seine Wissenschafts- und Expertenhörigkeit ansonsten sprichwörtlich ist.

An die Spitze der hysterisierten “Aufklärer” hatte sich die Justizministerin gestellt. Sie warf der katholischen Kirche vor, sie behindere die Aufklärung von Offizialdelikten durch ihre Praxis, erst bei erwiesenen Fällen und nicht schon bei Verdacht den Staatsanwalt einzuschalten bzw. zur Selbstanzeige aufzufordern. Tatsächlich ist die juristische Lage in Deutschland aber so, dass es keine Anzeigepflicht für Straftaten gibt. Strafbar ist lediglich die Nichtanzeige “geplanter Straftaten”. Dies zum einen. Zum anderen sitzt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ausgerechnet noch im Beirat der Humanistischen Union (HU), der zahlreiche Mitglieder angehören, die bis vor ein paar Jahren noch die Möglichkeit von entkriminalisiertem Sex Erwachsener mit Kindern für wünschenswert hielten.

Derweil trieb der journalistische “Missbrauch mit dem Missbrauch” die exotischsten Blüten. Eine besonders große produzierte die Frankfurter Rundschau in ihrer Online-Ausgabe, als sie forderte, der Papst müsse zu den Vorfällen an der – nichtkatholischen – Odenwaldschule Stellung nehmen (s. das folgende Bild).

Screenshot FR online

Der Artikel wurde mittlerweile korrigiert, die URL des Links jedoch nicht. Auch die Rhein-Neckar-Zeitung stellte unerschütterlich unter die Überschrift “Immer mehr Missbrauchsfälle”, die über die Vorkommnisse an der Odenwaldschule berichtete, die Abbildung eines Priesters mit Rosenkranz (mittlerweile entfernt).

Im “Spiegel” war der Gipfel der Kampagne mit dem Coverbild zur Titelstory “Die Scheinheiligen” noch längst nicht erreicht. Kürzlich schlagzeilte man dort online frohgemut, die Bundeskanzlerin scheue den Konflikt mit Rom – weil sie sich erlaubte, mit Erzbischof Zollitsch und dessen Besprechungsergebnissen aus dem Vatikan zufrieden zu sein.

Nicht nur Katholiken fiel das monströse Engagement auf, das insbesondere auch die Süddeutsche zeigte, nun endlich die katholische Kirche mitsamt dem deutschen Papst in Misskredit zu bringen. Der Bogen war bereits mehr als überspannt, da machte der Hoax eines – nichtkatholischen – Bloggers die Runde. In satirischer Form behauptete er, den “seriösen Qualitätsjournalismus” persiflierend, dass die Spiegel Redaktion 1 Million Euro Belohnung für denjenigen ausgesetzt habe, der den Papst als Kinderschänder denunzieren könne. Wobei der Vorwurf, selbstverständlich, nicht begründet sein müsse. Manche Satiren haben die Eigenart, wenn sie nicht wahr sind, so doch sich ziemlich wahr anzufühlen.

Als jüngstes erfolgreiches Produkt der säkularen Berichterstattung gilt die Mär vom “Schweigen des Papstes”. Dann kann Rolf Hochhuth ja frohgemut an die Ausarbeitung eines Sequels für “Der Stellvertreter” gehen.

Es gibt selbstverständlich auch erfreuliche Ausnahmen, dazu zählen einzelne Autoren der FAZ, der Welt, einige Artikel aus Der Westen, oder wie hier, die Nürnberger Zeitung, die trefflich resümiert:
“Montierte Titelbilder, auf denen sich Geistliche unter der Soutane in den Schritt fassen, das stetige Bemühen, alte Missbrauchsfälle als neu zu verkaufen und mit möglichst prominenten Namen zu verbinden, die mangelnde Trennschärfe, mit der Verbrechen, Vergehen und kleinere Verfehlungen in einen Topf geworfen werden. Hinzu kommt das Herauslösen der Vorgänge aus ihrem zeitgeschichtlichen Zusammenhang. Die Prügelstrafe etwa wurde erst 1980 an Bayerns Schulen gesetzlich abgeschafft. Umgekehrt forderten in den 1970er Jahren Pädagogen, die sich besonders fortschrittlich dünkten, öffentlich straffreien Sex mit Kindern. Es war die Kirche, die solchem Ansinnen ein klares Nein entgegensetzte” (aus einem Kommentar zu den Äußerungen Bischof Müllers: Heiliger Zorn, weltliche Wut, von Martin Schabenstiel.)

Stellen wir uns dem gar zu Offensichtlichen: Die katholische Kirche in Deutschland hat ein riesiges PR-Problem. Das ist nicht alleine ihre Schuld. Denn von den Mainstream-Medien ist im Falle, dass das Dach mal wieder brennt, offensichtlich nur noch der Fangschuss zu erwarten. Ein Vergleich mit Italien zeigt das Ausmaß deutlich an. Was der Papst sagt oder tut, steht dort, wenn nicht auf Seite 1, dann auf Seite Drei jeder Regionalzeitung und erhält auch bei den überregionalen immer große Beachtung. Fast täglich. Die Menschen sind stets darüber informiert, was im Vatikan gerade läuft. Selbstverständlich interessieren sich auch hier nicht alle dafür, selbstverständlich gibt es auch hier Kirchenfeinde. Doch die Kirche ist stets präsent in den Medien, und nicht immer nur dann, wenn es eine Krise oder einen Skandal zu berichten gibt.

Es gibt auch eine gute Nachricht im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung von tagesschau.de, Spiegel und Süddeutsche et al.: Frei denkende und klar urteilen könnende Menschen informieren sich, wenn sie sich ausgewogen über Vorgänge in der katholischen Kirche eine Meinung bilden möchten, schon längst nicht mehr nur bei der mittlerweile unverhüllt kirchenfeindlich agierenden Presse oder dem Bezahlfernsehen, sondern auch über das Internet auf katholischen Portalen und katholischen Blogs. Gerade in Zeiten, in denen die Leitmedien derart grotesk agieren, werden katholische Internetpräsenzen von einer wachsenden Anzahl von Menschen genutzt, die sich ihre Denke nicht vorschreiben lassen mögen. Hierin liegt eine große Chance. Die Kirche sollte sie nach dieser katastrophalen Erfahrung der letzten Monate deutlich stärker nutzen als bisher.

Barbara WenzBarbara Wenz, M. A.,  ist eine katholische Journalistin. Sie lebt und arbeitet in Italien, schreibt u.a. für das Vatican-Magazin und führt das Blog “Elsas Nacht(b)revier”.

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Hinweis der Redaktion: In unregelmäßiger Folge bitten wir Gastautorinnen und -autoren um Beiträge für unseren Blog. Diese Beiträge spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.


Antworten

  1. Liebe Frau Wenz,
    vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Es ist wahrlich erschreckend, wie man gegen die katholische Kirche in Deutschland vorgegangen ist. Ich konnte mich beim Lesen dieser Schundblätter vor Lachen nicht mehr halten, weil ich solch ein Unseriösität und unwissenschaftliche Stellungnahme selten erlebt haben. Hoffen wir, dass die klugen Gesellschaftsgruppen in der Mehrheit sind und mit ihren Artikeln die Kirche zwar bei Bedarf kritisieren, sie aber bei zugefügtem Unrecht unterstützen.
    Vielen Dank nochmal.
    es grüßt der Fürst

  2. Die Kirche hat kein PR-Problem – die Kirche selbst ist das Problem. Die verkrusteten Sktrukturen und starrsinnigen Leiter dieser Organisation, die im Inneren so gar nicht mit ihrem moralischen Äußeren übereinstimmt, sind Schuld an der “Krise”. Natürlich gibt es auch außerhalb der katholischen Kirche Fälle von Kindesmissbrauch. Aber in der Kirche ist das noch viel schlimmer, weil Pfarrer als Vertrauenspersonen gelten und sie dieses Vertrauen in tausenden von Fällen zur eigenen Befriedigung, zum Missbrauch von unschuldigen Kindern ausgenutzt haben. Und das die Scheinheiligen Kardinäle, Bischöfe und Ratzinger selbst diese Verbrechen vertuscht haben, bedarf keiner weiteren Hetzkampagne der Medien. Jeder klar denkende Mensch erkennt sofort, dass wir Bürger in der Pflicht stehen, der katholischen Kirche endlich das Handwerk zu legen. Wir können uns nicht erlauben mit anzusehen, wie Angehörige einer “moralischen Instanz” ungeschoren davon kommen, wenn sie Verbrechen begehen, für die andere lebenslänglich hinter Gittern kommen. Das ist auch nicht im Sinne Gottes, für den doch alle Menschen gleich sind. Im Sinne der Gerechtigkeit muss dem Treiben der Kirche ein Ende gesetzt werden, denn sie schafft es selbst nicht, dies intern zu regeln. Darum mein Aufruf an alle noch-Kirchenangehörigen: Unterstützt diese Verbrecher nicht weiter und tretet aus!!!

  3. Das werden wir sicher nicht tun, lieber Tom.

  4. Weißt du, Tom, die Kirche hat schon so viele Krisen durchgestanden, meinst du wirklich, dass diese tragischen Einzelfälle ihr das Ende bereiten werden?

  5. In der Missbrauchsaffäre ist es schwer, differenziert zu argumentieren und zu handeln, da dies ein sehr breiter Themenkomplex ist, der in einem einzigen Artikel nicht abgehandelt werden kann. Beispielsweise besteht eine pauschale Verquickung zwischen Missbrauch und dem Zölibat. Zu dieser Diskussion steht im “Christ in der Gegenwart” Nr. 13 ein sehr aufschlussreicher Kommentar. Den umzusetzen erfordert allerdings Selbst- und Kirchenkritik sowie den Versuch, das Aggiornamento Johannes XXIII unbefangen und mutig mit der Hilfe des Heiligen Geistes ins einundzwanzigste Jahrhundert besonnen, gerecht und fromm, wie es Paulus fordert, zu übersetzen. Ich hoffe, es gibt Gläubige, die dies versuchen wollen. Es bleibt die Möglichkeit, für Opfer, Täter, Journalisten und vorurteilsbefangene Zeitgenossen zu beten und auch ihnen das Licht des Auferstandenen zu wünschen!

  6. Die Leute, die andere laufend zum Kirchenaustritt auffordern, sind schon längst ausgetreten. Die spielen keine Rolle mehr!

  7. Ach Tom…

    in der Hoffnung, daß Du nicht nur Deinen Kommentar einfach nur eingestellt hast und danach verschwunden bist, sondern Dich über die Weiterentwicklung informierst, werde ich Dir schreiben, warum ich diese Kirche niemals verlassen werde. Ich habe mir angewöhnt, mir von der “Müllwagenmentalität” (M. Lütz) gewisser Medien und des Volkes Meinung nicht meinen Blick auf Menschen und Institutionen verdunkeln zu lassen. Meine Kirche hat einen der brilliantesten Theologen auf dem höchsten Leitungsposten. Er ist intelligent, von der Liebe zu den Menschen getragen, führt die Kirche mit Sensibilität, Geschick und mit Sinn für das Wesentliche und denkt an die Nachhaltigkeit seiner Entscheidungen, die er, wenn möglich, in Form von Empfehlungen formuliert, die dem mündigen und einsichtigen Katholiken immer noch die Entscheidung läßt.
    Wo findet man solches Verhalten im säkularen Umfeld?
    Da wird es nicht einfach, eine ähnliche Persönlichkeit zu finden!
    Ein solchermaßen verkrusteter Strukturbetrieb wie die von Dir angefeindete Kirche bringt immer wieder Persönlichkeiten hervor, die in ganz flexibel auf die Ansprüche der Zeit reagieren und das betonen und festhalten, was es zu bewahren gilt, Thomas von Aquin, Ignatius, Maximilian Kolbe, Mutter Theresa, ich weiß gar nicht, bei wem ich anfangen soll, wenn ich auslassen könnte!
    Dichter, Denker, Heilige, Künstler, Widerstandskämpfer, alle sie haben ihre entscheidenden Impulse in “diesem Laden” bekommen. Sie alle lassen mich immer wieder mit dem Zustand der so tollen Säkulargesellschaft unzufrieden werden und das ist auch gut so!
    Ich mache immer wieder und jeden Tag aufs neue kleine und große Dummheiten, begehe kleinere und schwerere Sünden. Das weiß ich und lebe gut damit, weil ich weiß, daß alle anderen genauso leben. Ich weiß, wie sehr ich Verzeihung für meine Unzulänglichkeiten brauche, von den Menschen, denen ich zu kurz tue und besoonders von dem, vor dessen Richterstuhl ich irgendwann treten muß, wie alle anderen auch. Alle erwartet das gleiche Schicksal der himmlischen, in Liebe geübten Gerechtigkeit.
    Was für ein Ziel! Was für eine Perspektive!
    Und das soll ich verneinen, bloß weil mir vor Augen geführt wird, was ich ohnehin schon weiß, nämlich wie sehr die Kirche eine Versammlung der Sünder ist?
    Deswegen soll ich nicht mehr zur Messe gehen, meinen Mitgliedsbeitrag nicht mehr entrichten?
    Bist Du auch schon aus der Bundesrepublik Deutschland ausgetreten, weil der Staat Dein Geld Pleitebanken in den Rachen geschoben hat, weil die Regierung nicht in der Lage ist, Dich vor den Lobbyverbänden zu schützen, die Dir dein Geld aus der Tasche ziehen, einem Staat, der Staatsanwältinnen austauscht, damit Prozesse gegen Leute wie Zumwinkel entsprechend anders verlaufen? Wann kommt dein Einkommensteuerboykott gegen einen Staat, der unsere Jungs und Mädels am Hindokusch aufstellt, gegen alle Maßstäbe unserer Verfassung und die dann im Zinksarg zurückkommen?
    Alles schon vergessen?
    Alles nicht so schlimm?
    Was ist mit den schimmeligen Klassenräumen, in denen unsere Kinder tagaus tagein mit den Ergebnissen von Bildungsreformen malträtiert werden, aus denen sie am Ende ihrer Schullaufbahn häufig als Halbanalphabeten entlassen werden, die keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben?
    Na, sind das nicht Gründe für die Stornierung der Abbuchungsaufträge?
    Geht halt nicht mit dem Austreten! Also Grundgesetz lesen, sich auf die Grundlagen der Bonner Republik besinnen und dann mitgestalten!

    Aus der Kirche kann ich auch nicht austreten, auch wenn das deutsche Steuerrecht das vorgaukelt!
    Also:
    Nicht rumnöhlen, sondern vom Positiven inspirieren lassen, geistliches Leben in Ordnung bringen und mithelfen, das Negative zu überwinden! Die Vorteile, der angeblich verkrusteten Struktur sind wesentlich höher als die paar Nachteile. Sonst wäre die Kirche nicht seit fast 2000 Jahren existent, im Gegensatz zu diversen Staaten, Firmen, Parteien…
    Also Chancen erkenne, ergreifen und mitgestalten und zwar wie beim Staat im Sinne der Kirche und nicht im eigenen Sinne!
    Dann kann man zusammen mit Paulus am Ende sagen: Ich habe den guten Kampf gekämpft!
    Also runter vom Sofa und ab in die nächste Kirche zum Beten!

  8. Danke für den Beitrag, Barbara Wenz, dem ich zu 100% zustimme.

    Nicht die katholische Sexualmoral ist das Problem, sondern deren Nichtbeachtung. Wenn jemand ungewaschen und stinkend und die Nasen seiner Mitmenschen quälend durch die Gegend läuft, liegt es ja auch nicht an der mangelnden Qualität der Seife, sondern an deren Nichtbenutzung.

    Und die Mainstream-Medien haben sich in meinen Augen einmal mehr gründlich diskreditiert. Das wird der wachsenden Bedeutung des Internets und speziell der Blogs nur Vorschub leisten. Die WELT unterstützt das mit einem ganzseitigen Artikel in der heutigen Ausgabe übrigens bereits.

    Ach ja: Laurentius, danke auch für deinen Kommentar!

  9. Klasse Artikel. In den 80er Jahren konnte unserioeser Kampagnen-Journalismus vom Spiegel, Sueddeutscher oder FR noch durchgehen. Das hat sich geaendert dank Bloggern wie Ihnen!

    Als katholischer Christ kann man uebrigens aus der Kirche nicht austreten, genausowenig wie man zwischen “Amtskirche” und der Braut Christi unterscheiden kann – wohl aber zwischen Suendern und den Suenden, die sie begehen. Die einen liebt man, das andere hasst man.

  10. [...] schlampig Journalisten bei kirchlichen Themen arbeiten (hier bei Sende-Zeit befassen sich damit ein Gastkommentar von Barbara Wenz und einer meiner eigenen Beiträge). Ist es nicht vielmehr so, dass Blogger, aber auch [...]

  11. [...] Dumm 3.0 ein Buch dazu geschrieben. Auf der anderen Seite gibt es genügend Blogger – gerade auch in der katholischen Bloggerszene -, die den „Mainstream-Medien“ vorwerfen, sich weitgehend vom Qualitätsjournalismus [...]

  12. Formulierungen wie “säkulare Berichterstattung” und “PR-Problem” zeugen von einer alten Schwarz-Weiß-Malerei und davon, dass die katholische Kirche offensichtlich ihre Probleme immer noch nicht verstanden hat, sie nicht einmal begreift, sie wohl (das ist jetzt eine Vermutung) gar nicht begreifen will. Differenziertes (Nach)Denken, eine echte Aufarbeitung mit richtigen Konsequenzen, sprich zumindest Exkommuniezierung (ohne das tut sich die Kirche wirklich keinen guten Dienst), für die vielen “Täter” aus den eigenen Reihen der Kirche (für die aus den anderen / nichtkatholischen Reihen kümmern sich die anderen / Nichtkatholischen), wäre angebracht und dringend angeraten (auch heute noch!). Rückhaltlos und ohne die häufig leider erfolgte Vertuschung! Der ganze Artikel geht völlig an den Problemen und an den Opfern vorbei.

  13. @mmazzurro
    Sie haben leider das Konzept “Exkommunikation” nicht verstanden. Es handelt sich hierbei nicht um eine kirchliche Reaktion auf weltliche Straftaten, sondern um eine Beugestrafe, die teils automatisch teils durch Dekret in Kraft tritt, um einer Person, die sich gegen Sakramente vergangen hat, oder beispielsweise bei Abfall vom Glauben, durch den Ausschluss aus der Sakramentengemeinschaft und das Verbot kirchliche Ämter oder Aufgaben auszuüben, zur Einsicht und Buße und Rückkehr in die Kirche gebracht werden soll. Staatliches Strafrecht ist davon nicht betroffen, selbst Massenmörder werden nicht ausdrücklich mit Exkommunikation belegt, das Mord üblicherweise aber Todsünde ist, schließt sich der Täter selbst aus der Sakramentengemeinschaft der Kirche aus. (Abtreibung ist hier die einzige Ausnahme, hier wurde diese Tat mit der automatischen Exkommunizierung belegt, weil vielerorts die Abtreibung erlaubt ist.)
    Sofern die Merkmale einer Todsünde erfüllt sind, also freier Wille (kein Zwang, bei Missbrauch gewöhnlich anzunehmen), Bewusstsein der Sündhaftigkeit der Tat (bei Missbrauch gewöhnlich anzunehmen, erst recht bei Klerikern) und schwerwiegende Tat (letztere zweifellos bei Missbrauch vorhanden), gerät derjenige, der den Missbrauch begeht, in den sogenannten Stand der Todsünde, in welchem er keine Sakramente mehr empfangen darf, bis er – verbunden mit ehrlicher (auch tätiger Reue (Selbstanzeige oder entsprechendes einschließend) – die Absolution erlangt.
    Automatische und förmliche Exkommunikation kann ebenfalls durch reuige Beichte aufgehoben werden, für manche Sünden ist hierzu die Beichte beim vom Bischof Bevöllmächtigten (Bischöflicher Pönitentiar/Bußkanoniker) oder ein Verfahren in Rom erforderlich (bspw. Entweihung der Eucharistie, Bestechlichkeit bei der Papstwahl, Versuch der (ungültigen) Lossprechung eines Mittäters beim Bruch des Sechsten Gebots [du sollst nicht ehebrechen u.ä.]).
    Um es noch einmal zu wiederholen: Genauso wenig wie die Kirche explizit fixiert hat, dass Mörder oder Entführer aus der Sakramentengemeinschaft der Kirche ausgeschlossen ist, dies ergibt sich aus dem oben Aufgeführten, exkommuniziert sie ausdrücklich Missbrauchstäter, dies ist nicht explizit erforderlich. Strafrechtliche Fragen sind grundsätzlich Sache der weltlichen Gerichte, freilich können die Taten auch kirchliche Strafen wie der Ausschluss aus dem Klerikerstand folgen.
    Ich hoffe, ich konnte ein wenig für Klarheit sorgen.

  14. Zur “säkularen Berichterstattung”:
    Was auffiel in den letzten Monaten, ist, dass die Medien sich fast ausschließlich mit der kath. Kirche befasst haben, obwohl fast alle Missbrauchsfälle in Familien und Verwandtschaften u.ä. sowie in Sportvereinen, öffentlichen Schulen geschehen, eine offenkundige Feindseligkeit gegenüber der Kirche herrschte.
    Die Medien gingen gerade an der Mehrzahl der Opfer vorbei, die nicht durch Täter aus der kath. Kirche leiden mussten.


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