Verfasst von: nk | Juli 13, 2010

Sommerakademie zu Religion in virtuellen Welten

Simone Heidbrink

Simone Heidbrink - Person und Avatar

Das Religionswissenschaftliche Institut der Universität Heidelberg untersucht in einem Sonderforschungsbereich religiöse Rituale im Internet, insbesondere in virtuellen Welten wie Second Life. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts, Simone Heidbrink M.A., ist Mitorganisatorin der Bremer Sommerakademie, die sich Ende Juli / Anfang August mit virtuellen Welten befasst. Ich habe sie für unseren Blog zu der Veranstaltung befragt.

nk: Frau Heidbrink, worum geht es bei der Sommerakademie?

Simone Heidbrink: Vom 29. Juli bis zum 9. August veranstalten die Uni Bremen und die private Jacobs-Universität gemeinsam eine “summer school” mit dem Titel “How virtual is reality?” Es geht uns um die Erforschung religiöser Inhalte in virtuellen Welten. In 3D-Welten im Internet spielen Religionen und Rituale eine große Rolle. Es ist noch weitgehend ungeklärt, wie man sich in der kulturwissenschaftlichen Forschung virtuellen Welten nähern kann. Das wollen wir uns genauer anschauen.

nk: Der englische Titel deutet es an: Es ist eine internationale Veranstaltung.

Simone Heidbrink: Ja, wir haben Referentinnen und Referenten aus Kanada, den USA, aus Tschechien, den Niederlanden – aber natürlich auch aus Deutschland. Die Vielfalt betrifft aber nicht nur die Nationalitäten, sondern auch die Forschungsgebiete. Wir haben Fachleute für Spieltheorie, Medienwissenschaft, Kunstgeschichte usw. Insgesamt ein breites kulturwissenschaftliches Spektrum.

nk: Wie viele Teilnehmer werden in Bremen dabei sein?

Simone Heidbrink: Wir haben 20 Plätze, die wir nach einer Vorauswahl auch schon vergeben haben. Es kommen meist Doktoranden oder Studierende, die nach ihrem Bachelor-Abschluss im Masterstudium sind.

nk: Was kostet die Teilnahme?

Simone Heidbrink: Die Teilnahme ist kostenlos. Möglich ist das nur aufgrund einer großzügigen finanzielle Unterstützung durch die Volkswagen-Stiftung.

nk: “How virtual is reality”, also “wie virtuell ist die Realität” – das ist die Umkehrung der Fragestellung, die man erwarten würde. Normalerweise wird danach gefragt, wie real die Virtualität ist.

Simone Heidbrink: Ja, das haben wir ganz bewusst gemacht, um gewohnte Bahnen zu verlassen und einen Denkprozess anzustoßen. Wir werden in unserer Ritualforschung oft gefragt: “Wie echt ist denn das, was da in Second Life abläuft?” Aber ist die Echtheitsfrage sinnvoll? Wenn ich berücksichtige, dass ich vor dem PC reale Lebenszeit verbringe, während ich mit meinem Avatar in Second Life oder in einer Spielwelt wie World of Warcraft bin, dann kann ich mich ja auch fragen, wie virtuell ich mein reales Leben gestalte. Viele Second-Life-User sprechen nicht vom Unterschied “real life – second life”, sondern von “first life – second life”.

nk: Gehen Sie auch auf die Frage von Virtualität außerhalb der Internet-Welten ein? Ich denke zum Beispiel an Deckengemälde in Barockkirchen, die in perspektivischer Darstellung eine Art virtuellen Himmelsraum eröffnen. Oder an den Gedanken, dass etwa jede katholische Messe in einer Art virtuellen Gemeinschaft mit allen Engeln und Heiligen gefeiert wird.

Simone Heidbrink: Ich erhoffe mir diesbezüglich Anregungen, etwa von Prof. David Morgan aus Durham in North Carolina, der Kunsthistoriker ist.

nk: Wie können Nicht-Teilnehmer von der Sommerakademie profitieren? Wie publizieren Sie Tagungsergebnisse?

Simone Heidbrink: Wir werden im Blog Webreligion berichten. Außerdem wird es am 9. August im Haus der Wissenschaften in Bremen einen deutschsprachigen öffentlichen Vortrag zum Thema geben, in dem wir die wichtigsten Ergebnisse präsentieren.

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  1. [...] Bremen: Religionen und Rituale in virtuellen Welten – Gespräch mit Kerstin Radde-Antweiler, Sende-Zeit: Sommerakademie zu Religion in virtuellen Welten and I thin another interview is scheduled for the upcoming [...]


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