Verfasst von: nk | Dezember 21, 2010

Bekennerschreiben von Philipp Giese

Im Kontext der missionarischen Initiative „Glauben – Bekennen – Handeln“ der Erzdiözese Freiburg laden wir andere katholische Bloggerinnen und Blogger ein, uns in einen kurzen Text (möglichst nicht mehr als 2000 Zeichen) zu schreiben, warum sie katholisch sind. In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen wir diese „Bekennerschreiben“. Heute schreibt Philipp Giese, Autor von St. Dymphnas Gedankenwelt.

St. Dymphnas Gedankenwelt
Im Frühling dieses Jahres war ich in Turin, um das ausgestellte Grabtuch zu betrachten. Es war eine betreute Pilgerreise, und dazu gehörte es, daß sich alle Beteiligten mal vorstellen. ich erzählte also, daß ich Doktorand der Physik bin.  Im Laufe der nächsten Tage wurden mein Vater (der auch mitfuhr und auch Physiker ist) und ich unabhängig von einander oft auf unseren Beruf angesprochen. Wie sei es  miteinander zu vereinen und man sei ja besonders froh, daß gerade Naturwissenschaftler auch zu Gott finden etc.

Ist das so seltsam? Ist irgendwas wie ein Graben zwischen Glauben und Vernunft?

Ich möchte mich der Frage “Warum ich als Naturwissenschaftler an die katholische Kirche glaube” über die Bedeutung des Wortes “Glauben” nähern. Viele Leute verwechseln “Glauben” mit “Meinen”, wobei es eher mit “auf etw. vertrauen” übersetzt werden sollte. So sehe ich hier nämlich nicht nur keinen Widerspruch; im Zusammenspiel zw. begründeten Vertrauen und Wissen bzw. Überprüfung bereichern sich Glaube und Vernunft – nicht nur im Glaubensbereich, sondern auch in der Wissenschaft.

Man hat einen Satz an Grundaussagen, auf denen man sein Verhalten und seine weiteren Aussagen aufbaut. Das gilt, wenn ich die Reaktivität einer Präparation untersuche und dabei auf bestimmte Literaturwerte vertraue genauso wie im “restlichen Leben”, wenn ich mein Leben auf den katholischen Glauben ausrichte. Wie in der Wissenschaft erwarte ich vom Glauben, daß der Satz Grundaussagen zumindest nicht vollständig aus dem Hut gezaubert ist. Sicherlich, manche Dinge, wie die Existenz Gottes, mögen Axiome sein, die nicht wirklich überprüfbar sind. Was mir jedoch besonders am katholischen Glauben gefällt, ist, daß er zu großen Teilen ein geschichtlicher Glaube ist, gerade die Reliqiuenverehrung legt trotz allen Wildwüchsen davon Zeugnis ab: Wir glauben nicht einfach an eine mystische, unüberprüfbare Zeit, in der Gott gewirkt haben soll, nein, Gott wirkt immer noch und verändert das Leben vieler Menschen.

Philipp GiesePhilipp Giese, Jahrgang 1981, ist Diplomphysiker mit Schwerpunkt Physikalische Chemie an Oberflächen am Institut für Experimentalphysik der Freien Universität Berlin. Seit Oktober 2005 führt er seinen Weblog Sankt Dymphnas Gedankenwelt. Seit 1997 ist er getaufter Katholik.

Wenn Sie katholischer Blogger oder katholische Bloggerin sind und Ihr „Bekennerschreiben“ hier veröffentlichen möchten, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: medienpastoral@seelsorgeamt-freiburg.de.

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Hinweis der Redaktion: In unregelmäßiger Folge bitten wir Gastautorinnen und -autoren um Beiträge für unseren Blog. Diese Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.


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